Verfassung

III. Die Organe der Evang.-luth. Kirche im Fürstentum Liechtenstein

Artikel 5 (im Neuentwurf 2006 unverändert)

Die Organe sind:


A. Die Kirchgemeindeversammlung
B. Der Kirchenvorstand
C. Das Pfarramt

A. Die Kirchgemeindeversammlung 
Artikel 6
  1. Oberstes Organ der Evang.-luth. Kirche im Fürstentum Liechtenstein ist die Kirchgemeindeversammlung. Stimmberechtigt sind Gemeindeglieder, die das 16. Lebensjahr vollendet haben. Freunde der Evang.-luth. Kirche, die ihr nicht angehören, sich jedoch am Gemeindeleben beteiligen, können mit den Stimmen der Gemeindeglieder Stimmrecht in der Kirchgemeindeversammlung erhalten.
  2. Die ordentliche Kirchgemeindeversammlung findet einmal jährlich auf Beschluss des Kirchenvorstandes, nach Möglichkeit im ersten Drittel des Kalenderjahres, statt.
  3. Ausserordentliche Kirchgemeindeversammlungen können auf Beschluss des Kirchenvorstandes oder auf Verlangen von mindestens zwölf stimmberechtigten Gemeindegliedern einberufen werden.
  4. Die Einberufung einer Kirchgemeindeversammlung erfolgt durch Abkündigung im Gottesdienst und durch schriftliche Einladung mit Angabe der Traktanden wenigstens drei Wochen vor dem Versammlungstermin. Anträge auf Erweiterung der Traktandenliste sind spätestens 14 Tage vor dem Versammlungstermin dem Kirchenvorstand schriftlich einzureichen. Bei einer Verweigerung hat der Antragsteller das Recht, die Einberufung einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung gemäss Ziffer 3 zu verlangen.Die Stimmabgabe zu Traktanden per Briefwahl ist zulässig.
  5. Die Kirchgemeindeversammlung ist bei ordnungsgemässer Einladung beschlussfähig und entscheidet mit einfacher Stimmenmehrheit. Für die Änderung der Kirchenverfassung ist jedoch eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, unter Vorbehalt der Einschränkungen des Artikels 1. Geheime Abstimmung erfolgt auf Antrag. Über die Verhandlungen wird ein Protokoll geführt.
Artikel 7
  1. Die Kirchgemeindeversammlung ist zuständig für die Jahresgeschäfte:
    1. Genehmigung des Protokolls der letzten Kirchgemeindeversammlung.
    2. Entgegennahme der Jahresberichte von Pfarramt und Kirchenvorstand.
    3. Entgegennahme und Genehmigung der Jahresrechnung und des Revisorenberichtes sowie Entlastung des Rechnungsführeres und/oder Kassenverwalters.
    4. Genehmigung des Haushaltsplanes für das laufende Rechnungsjahr.
    5. Entgegennahme von Wünschen und Vorschlägen
  2. Besonderer Geschäfte:
    1. Wahl eines Pfarrers.
    2. Wahl von Kirchenvorstehern.
    3. Ernennung von zwei Rechnungsrevisoren, deren Amtsdauer derjenigen eines Kirchenvorstehers entspricht.
    4. Behandlung von Anträgen des Kirchenvorstandes oder von Gemeindegliedern.
    5. Behandlung von Anträgen, die sich aus der Beratung der Traktanden ergeben und von mindestens fünf anwesenden Gemeindegliedern unterstützt werden.
    6. Festsetzung des Kirchenbeitrages.
B. Der Kirchenvorstand
Artikel 8
  1. Der Kirchenvorstand ist die leitende und verwaltende Instanz der Kirche. Er führt die laufenden Geschäfte und erinnert die Gemeinde an ihren missionarischen Auftrag. Er besteht aus drei bis acht von der Gemeindeversammlung gewählten Gemeindegliedern. Der Pfarrer gehört dem Kirchenvorstand von Amts wegen an. Der Kirchenvorstand konstitutiert sich selbst, er wählt insbesondere den Präsidenten und dessen Stellvertreter. Von den Kirchenvorstehern wird erwartet, dass sie sich treu am kirchlichen Leben beteiligen. Sie unterstützen den Pfarrer in seinen Aufgaben.
  2. Wählbar zu Kirchenvorstehern sind alle stimmberechtigten Gemeindeglieder, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und wenigstens ein Jahr der Gemeinde angehören.
  3. Die Kirchenvorsteher werden auf die Dauer von drei Jahren gewählt. Wiederwahl ist zulässig.
  4. Zur Wahl eines Kirchenvorstandes stellt der amtierende Kirchenvorstand eine Kandidatenliste auf, die alle Vorschläge, auch diejenigen aus der Gemeinde, enthält. Diese Liste wird zusammen mit den Traktanden für die Kirchgemeindeversammlung bekanntgegeben.
  5. Die Wahl erfolgt geheim und mit einfacher Mehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet eine Stichwahl. Briefwahl ist zulässig. Die gewählten Kirchenvorsteher werden im Gottesdienst durch den Pfarrer in ihr Amt eingeführt und auf Schrift und Bekenntnis sowie auf treue Ausübung ihres Amtes verpflichtet.
  6. Der Kirchenvorstand tritt im Bedarfsfall, mindestens aber viermal im Jahr zusammen. Die Festlegung der Traktanden und die Einberufung der Kirchenvorstandssitzungen erfolgen in Absprache mit dem Pfarrer durch den Präsidenten oder seinen Stellvertreter.
  7. Der Kirchenvorstand ist beschlussfähig, wenn die Mehrheit seiner Mitglieder anwesend ist. Die Sitzungen werden vom Präsidenten oder dessen Stellvertreter geleitet. Der Kirchenvorstand beschliesst mit einfacher Stimmenmehrheit, bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Bei Abwesenheit sowohl des Präsidenten als auch des Vizepräsidenten wählen die anwesenden Kirchenvorsteher eine Sitzungsleitung.
  8. Über die Verhandlungen des Kirchenvorstandes wird ein Protokoll geführt. Die Verhandlungen und die Protokolle sind vertraulich. Die Beschlüsse werden baldmöglichst in den Publikationsorganen der Evang.-luth. Kirche veröffentlicht. Ausnahmen sind im Sitzungsprotokoll zu begründen.
  9.  Falls ein Mitglied während der Amtszeit ausscheidet, kann der Kirchenvorstand jederzeit Mitglieder nachberufen. Diese müssen in der darauffolgenden Gemeindeversammlung im Amt bestätigt werden.
C. Das Pfarramt
Artikel 9
  1. Die Wahl des Pfarrers erfolgt durch die Gemeindeversammlung auf Vorschlag des Kirchenvorstandes. Mit der Annahme der Wahl wird der Pfarrer zur Amtsführung berufen.
  2. Wählbar sind Pfarrer oder Pfarramtskandidaten, die sich auf die in dieser Verfassung aufgeführten Bekenntnisschriften verpflichtet wissen.
  3. Die Anstellung des Pfarrers ist grundsätzlich in einem Vertrag zu regeln.
  4. Der Pfarrer ist für die konkrete Wahrnehmung der Aufgaben der Kirche gemäss Art. 2 verantwortlich: Verkündigung des Wortes Gottes und Spendung der Sakramente durch Gottesdienst, Seelsorge, Unterweisung, Stärkung der Gemeinschaft, Dienst am Nächsten sowie Menschen gewinnende Bezeugung des christlichen Glaubens in Wort und Tat. Er nimmt diese Aufgaben wahr, indem er sie selbst ausführt und Gemeindeglieder sowie Kirchenorgane darin unterstützt.
  5. Der Pfarrer führt das Kirchenbuch.
  6. In Verkündigung und Seelsorge ist der Pfarrer gemäss seiner Ordinationsverpflichtung nur an das in Art. 1, 1 und 2 beschriebene Bekenntnis gebunden. Bei der Gestaltung der äusseren Form des Gemeindelebens, insbesondere des Gottesdienstes, handelt er im Einvernehmen mit dem Kirchenvorstand. Der Pfarrer soll in Amts- und Lebensführung glaubwürdig und als Seelsorger ansprechbar sein.